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ViLeS 0 > Methodologische Grundlagen der empirischen Forschung > Der empirische Forschungsprozess > Konzepte und Definitionen

Konzepte und Definitionen im Modul Der empirische Forschungsprozess

A) Der chronologische Ablauf des Forschungsprozesses
In der Literatur zu den empirischen Forschungsmethoden finden sich eine Vielzahl von schematischen Darstellungen zum Ablauf dieser Forschung. Eine grobe erste Unterscheidung des Gesamtprozesses ist die in einen Entstehungs, Begründungs- und Verwertungszusammenhang von empirischen Forschungsmethoden.
1. Der Entdeckungszusammenhang
Der Entdeckungszusammenhang beschreibt die Vorphase des eigentlichen Forschungsprozesses mit der:
  • Entdeckung eines als wichtig oder als interessant angesehenen sozialen Problems,
  • Klärung der Erkenntnis- und Verwertungsinteressen: „Wer will was für welche Zwecke wissen?“ und der
  • Formulierung einer Fragestellung.
Anmerkung: Ausserwissenschaftliche Werturteile des Forschers oder des Auftraggebers sind hier zur Begründung der Erkenntnisinteressen notwendig und erlaubt.
2. Der Begründungszusammenhang
Dies Phase stellt den eigentlichen Forschungsprozess dar. In ihr wird das soziale Problem bzw. die sich hieraus ergebende Forschungsfrage präzisiert und mit Hilfe angemessener methodischer Schritte untersucht. Geklärt werden müssen dabei die folgenden Fragen:
  • Welche Objekte sollen untersucht werden?
  • Wie sollen die Objekte ausgewählt werden?
  • Welche Sachverhalte sollen wie und mit welchen Variablen?,
  • Mit welchem Messinstrument? und
  • Wie häufig gemessen werden??
Anmerkung: Die methodischen Entscheidungen sollten rein sachlich begründet werden. Ausserwissenschaftliche Werturteile zur Rechtfertigung sind ausgeschlossen!
3. Der Verwertungszusammenhang
Es geht hierbei im Wesentlichen um die Verwendung der Untersuchungsergebnisse. Dies ist bereits im Prozess der Entstehung einer Untersuchung zu klärendes Thema. Dabei geht es vorallem um die
  • Präsentation der Ergebnisse (z.B. Forschungsbericht, Buchpublikation, Aufsatz in Fachzeitschrift) und
  • Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse in Handlungen.
Anmerkung: Ausserwissenschaftliche Werturteile können zur Begründung der Verwertungsentscheidung notwendig werden.
B) Die einzelnen Phasen des Forschungsprozesse
In einer detaillierteren Skizze dieser drei Forschungszusammenhänge soll der chronologische Ablauf des empirisch-statistischen Gesamtprozesses von der Entdeckung eines Informationsdefizits bis zur Interpretation seiner Ergebnisse betrachten und dabei vor allem der Begründungszusammenhang in seine einzelnen Komponenten (vgl. Phase 2 – 8) zerlegt werden. Diese beinhalten im Einzelnen folgende Aufgaben (eine konkrete Beschreibung der einzelnen Phasen findet sich im nächsten Abschnitt „Beispiele und Aufgaben“):
  1. Anstoßphase (Entdeckung des Forschungsproblems),

  2. Theoretische Phase (theoretische Fundierung des Forschungsprozesses),

  3. Konzeptionelle Phase (methodische Spezifizierung der Erhebungsinstrumente),

  4. Operationalisierungsphase (Konkretisierung und Ausformulierung der Erhebungsinstrumente),

  5. Erhebungsphase (Organisation und Durchführung der Feldarbeit),

  6. Meß- und Kodierungsphase,

  7. Aufbereitungsphase (Datenerfassung und -bereinigung),

  8. Analysesphase (Verallgemeinerung der Einzelergebnisse mittels hermeneutischer bzw. statistischer Verfahren),

  9. Interpretationsphase (verbale Kommentierung der numerischen und graphischen Ergebnisse, Falsifizierung/ Verifizierung der Forschungshypothesen),

  10. Rückkoppelungsphase (Verwertung der Ergebnisse im Entscheidungs- und Aktionsfeld, Weitergabe der Ergebnisse an Dritte).

Die Abfolge der einzelnen Phasen und ihre Zuordnung zu den Polen "Theorie", "Empirie" und „Statistik“ ist in der folgenden Animation wiedergegeben.

(Anmerkung: Klicken Sie auf den Titel, um die verschiedenen Komponenten und die Abfolge der einzelnen Schritte des Prozesses einzublenden. Sie können über„step“ sofort zum Ende und über „rew“ wieder auf den Beginn der Animation schalten. Im vollständigen Tableau können Sie über „step“ zu jeder Stufe weitere Informationen erhalten. Wenn Sie mit dem Cursor über die Ziffern fahren, werden die einzelnen Schritte benannt, wenn Sie die Ziffern anklicken, öffnen sich Fenster mit Beispielen und Materialien.)

Abbildung 1-11(Link): Phasen des empirischen Forschungsprozesses

C) Die logische Struktur des Forschungsprozesses

Eine genauere Betrachtung der einzelnen Schritte des Prozesses unter logischen Aspekten macht deutlich, dass sich die verschiedenen Komponenten in einem zirkulären Ablauf von zehn Arbeitphasen miteinander verknüpfen lassen, wobei die Realität auf jeweils unterschiedliche Weise modellhaft abgebildet wird:

  • im theoretisch/begrifflichen Modell der Begründungsphase,

  • im empirischen Modell der Erhebungsphase in Form der Untersuchungsergebnisse,

  • im numerischen Modell der Kodierungsphase in Form der konkreten Datensätze,

  • im statistischen Modell der Analysephase in Form der staistischen Tabellen, Graphiken und Maßzahlen und schließlich wieder

  • im theoretisch/begrifflichen Modell der verbale Interpretation der statistischen Ergebnisse in der Rückkopplungsphase.

Formal gesehen werden die einzelnen Modell ineinander übergeführt, wobei ihr inhaltlicher Zusammenhang (als ein und das selbe Modell der Realität) über den empirisch-statistischen Transformationssprozess erhalten bleiben muß. Dabei durchlaufen diese komplexen Modellen unterschiedliche verbale und numerische Formen der Darstellung und tangiert unterschiedliche Abstraktionsebenen. Die Zirkularität führt den Prozess der Transformations auf höherem Erkenntnisstand wieder zu seinem logischen Ausgangspunkt, dem reale Informationsproblem zurück.

Die folgende Graphik (Abb. 1-12) reduziert den Gesamtprozesses in einem zweidimensionalen Schaubild auf seine wesentlichen Komponenten. Die Koordinaten geben in der Horizontalen die Repräsentationsebenen (begrifflich, numerisch) und in der Vertikalen die Konkretionsformen (abstrakt, konkret) des Forschungsgegenstandes wieder.

Abbildung 1-12: Logische Struktur des (quantitativen) Forschungs- und Informationsprozesses

Gültige Ergebnisse können im empirisch/statistischen Forschungs- und Informationsprozess allerdings nur erzielt werden, wenn es gelingt, die reale Substanz der verschiedenen Modelle über die gesamte Reichweite des Prozesses zu erhalten. Dies beinhaltet einmal die Gewährleistung einer Adäquanz, d.h. dass die verschiedenen Modelle der Realität in einer jeweils der Fragestellung und den Objekten adäquater Weise konkretisiert und abstrahiert werden müssen (vgl. die vertikale Dimension in der Abb.), und die Sicherstellung der Äquivalenz, d.h. dass die inhaltlichen Aussagen äquivalent aus der begrifflichen Darstellungsform in die numerische (und die graphische) und umgekehrt (vgl. die horizontale Dimension in der Abb.) abgebildet werden müssen. In der Statistik wird diese Grundbedingung als Parallelität von Sach- und Zahlenlogik bezeichnet.

 

letzte Änderung am 17.6.2010 um 22:28 Uhr.

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